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Smartes Heizkörperthermostat V3+ von tado° im Test

Das smarte Heizkörperthermostat von tado° ist erst einmal natürlich keine Smartphonehülle. Da jedoch früher auch schon diverse andere elektronische Gadgets, die mit Smartphones arbeiten/steuerbar sind, getestet wurden, passt dieser Test hier gut dazu.

Smart Home – das Schlagwort der letzten Jahre

Für die erste eigene Wohnung war das Thema „Smart Home“ sehr wichtig – als Technik-interessierter Mensch kommt man heutzutage daran nicht mehr vorbei. Allzu bequem ist es, die Beleuchtung mittels Philips Hue oder die Heizung mittels der smarten Thermostaten von tado°über das Smartphone oder Siri zu steuern.

Worauf muss man achten oder: Wieso ist die Entscheidung auf das tado° V3+ System gefallen?

tado thermostat smart

tado° V3+ Thermostat vs. Honeywell Rondostat, montiert an einem M30 x 1,5 Gewinde.

Zunächst gibt es mittlerweile zahlreiche Anbieter für diverse Smart Home Thermostate – bzw. Thermostate, die sich „Smart Home“ nennen, aber dann doch gar nicht so smart sind.
Es gibt No-Name-Geräte, beginnend bei einem Stückpreis von 20€, über Smart-Home-Geräte der Telekom, bis zur Spitzenklasse von Elgato Eve und tado° V3+. Von den ganzen Angeboten wird man regelrecht „erschlagen“ und muss sich, um die Unterschiede zu verstehen, länger damit auseinandersetzen.
Um die Entscheidungswege der Interessenten für smarte Thermostate zu verkürzen oder zu beschleunigen, wurde dieser Beitrag verfasst.

 

Status Quo:

Der jetzige Stand in der alten Wohnung sind programmierbare Thermostate von Honeywell, Modell Rondostat. Diese sind seit vielen Jahren mittlerweile in einer neuen Version in Gebrauch und waren ihrer Zeit damals deutlich voraus. Auch bei diesen Thermostaten kann man individuelle Zeitpläne für jeden Tag einstellen, begrenzt auf eine Einstellung direkt am Thermostat über ein Drehrad und auf zwei Heiz- und Abschaltperioden pro Tag. Nicht wirklich das, was heutzutage in die Kategorie „smart home“ fällt, jedoch schon deutlich klüger als ein plumpes, konventionelles Thermostat.

Die Honeywell-Thermostate funktionieren an sich sehr sorgenfrei, sobald sie eingestellt sind. Störend ist jedoch die sehr umständliche Einstellung über das Drehrad (dabei wird man wahnsinnig) und die mangelnde Flexibilität: An einem Urlaubstag unter der Woche müsste man manuell das Thermostat verstellen, sonst wird einfach die programmierte Einstellung abgespult. Dazu kommt, dass die Temperaturkorrektur mit realen Messwerten über die Einstellung sehr mühsam und nicht praktikabel ist.

Daraus ergaben sich zwei wichtige Anforderungen an zukünftige Thermostate: Sie müssen unbedingt eine bequeme Setup-Möglichkeit (über das Smartphone) bieten und noch dazu flexibel steuerbar sein. Diese Eigenschaften, vor allem erstere, bieten heutzutage natürlich viele Thermostate, jedoch oft unterschiedlich weit entwickelt.

Das Heizungs-Setup in der neuen Wohnung (Altbau) besteht aus einer modernen Gasheizung, aber ohne Fußbodenheizung.

 

Die Entscheidungsfindung – Welches Thermostat ist das richtige für mich?

Je nachdem, welche Verbindungsart genutzt wird, werden sofort Einschränkungen verursacht:

Die Thermostate, deren Einstellungen via Bluetooth-Verbindung vorgenommen werden, benötigen natürlich eine direkte Verbindung zum Smartphone.
Bluetooth hat, je nach Gerätekombination und Wohnungsgröße, eine sehr begrenzte Reichweite. Es kann also vorkommen, dass man vom einen Ende der Wohnung nicht die Heizung am anderen Ende der Wohnung steuern kann. Das kann schon nach wenigen Metern auftreten, wenn viele Wände dazwischen liegen.

Ein „Workaround“ bietet die Steuerung der Thermostate via Apple Homekit-Unterstützung und einem Apple TV/Homepod. Für Personen, die jedoch nicht über besagte Geräte verfügen, stellt die Bluetooth-Verbindung also definitiv eine Einschränkung dar. Da  im Testhaushalt (noch) kein Apple TV oder Homepod vorhanden sind, kommen also nur noch Geräte mit einer WLAN-Verbindung in Frage, um die gesamte Wohnung aus jeder „Ecke“ heraus steuern zu können.

Wichtig ist auch die Homekit-Kompatibilität, da es sehr angenehm ist, alle Smart Home Geräte aus einer App steuern zu können. Für Nicht-Apple-Nutzer ist dieser Punkt natürlich nicht relevant.

Aus diesem Grund fallen Geräte, wie z.B. das Magenta SmartHome Thermostat direkt raus, da bei diesen nur die direkte Steuerung über die App möglich ist, wenn man sich in der Wohnung befindet. Bei Thermostaten wie z.B. von Homematic ist die Steuerung auch nur über eine eigene App, die mit einem sog. „Access Point“ zusammenarbeitet, möglich.

Das Elgato Eve Thermostat verfügt auch „nur“ über eine Bluetooth-Verbindung, ist jedoch Homekit-kompatibel. Für den Einsatzzweck aber dadurch leider auch nicht geeignet, ansonsten erfüllt es aber viele wichtige Kriterien.

Die andere Verbindungsmöglichkeit wäre WLAN: Durch die Datenübertragung via WLAN profitiert man von einer besseren Reaktionszeit und flächendeckender Netzabdeckung.

Darunter fallen Thermostate wie das V3+ von tado°, die Thermostate von Netatmo (schlechte Einstellbarkeit der Zeitpläne, nur für alle Ventile gleichzeitig einstellbar) und die Thermostate von Innogy (nur App Steuerung, daher raus).

Wichtige Kriterien, die die Wahl eines Smarten Thermostats beeinflussen:

Letztendlich kommt es, wenn man alle wichtigen Faktoren miteinbezieht, lustigerweise zu einem Schlagabtausch allein zwischen Unternehmen aus München: Sowohl Elgato als auch tado° haben ihren Firmensitz in meiner Heimatstadt.

Weitere Details:

  • Kompatibiliät: Zum einen zur Heizung selbst (Anschlüsse), zum anderen zu den Steuerungsgeräten (Apple Homekit etc.)
  • Standards: Zigbee wie bei Philips Hue
  • Einstellungsmöglichkeiten:
    • tado°war hierbei seinem direkten Konkurrenzen Elgato Eve immer ein Stück weit voraus, da die Elgato Thermostate nur über Bluetooth kommunizieren, WLAN ist jedoch aufgrund der höheren Reichweite mein Favorit.
  • Geofencing: Wichtig, um die Flexibilität zu erhöhen.
  • Design: Das tado°Thermostat ist deutlich weniger klobig als die Thermostate der Konkurrenz

Wenn man aufgrund der Kosten nicht direkt eine tado°-Komplettausstattung in der ganzen Wohnung installieren möchte, sondern sich erst einmal in einem Raum einen Überblick über die Funktionalität machen will, eignet sich das tado°-Starterkit perfekt, da man es danach um beliebig viele Thermostate erweitern kann (so habe ich es auch gemacht).

Test der tado° V3+ Thermostate in meiner neuen Wohnung:

Zunächst muss ich vorweg greifen: Da ich keine Erfahrungswerte bzgl. des Energieverbrauchs der Heizung mit konventionellen Thermostaten habe, kann ich diese Daten im Moment schlecht vergleichen. Ein Näherungswert wird aber dann die Nebenkostenabrechnung sein (die dann theoretisch niedriger ausfallen sollte).
Deswegen werde ich hier vor allem auf die Usability eingehen, auf Punkte, die ich sehr praktisch finde, und auch auf Punkte, die evtl. durch ein Softwareupdate verbessert werden könnten.

Zunächst zur Installation selbst:

Auf amazon.de habe ich bei der 3. Version von tado° von einigen Problemen bei der Installation gelesen (z.B. herabfallende Thermostate). Auch wenn bei V3+ nichts dahingehend geändert wurde, hat bei mir die Installation problemlos geklappt. Die Montage der tado° Thermostate erfolgte an verschiedenen Heizkörpern und Ventilen (generell Altbau, aber mit neuem Badheizkörper).

tado° V3+

tado° V3+ montiert an einem Danfoss RAVL Ventil.

Ich könnte mir vorstellen, dass viele Nutzer nicht beachten, dass man die Überwurfmutter nicht nur mit der Hand festziehen muss, sondern nach Möglichkeit mit einer Rohrzange, sonst sitzt das Thermostat natürlich locker. Das ist auch bei konventionellen Thermostaten oft ein Problem, liegt aber nicht an der Geräten, sondern an den Anwendern. Bei mir haben sich die Montage der Standardkonfiguration (M30 x 1,5mm) und die Montage an ein Danfoss RAVL Ventil schnell erledigen lassen.
Inbetriebnahme und Pairing selbst gestalteten sich kinderleicht, die Bridge hat sofort alle Thermostate gefunden.

Die neue tado°App ist sehr intuitiv gestaltet und man findet sich problemlos zurecht.

Nach dem anfänglichen Aufsetzen hört man gleich, wie die Thermostate den Stellzapfen am Heizkörper anfangen zu bewegen, um die Wunschtemperatur zu erhalten.

Inbetriebnahme des tado° Systems in der App:

Je nach Raumgröße ist dabei die Temperaturkorrektur am Thermostat selbst via App Pflicht. Aus eigener Erfahrung empfehle ich, ein Thermometer in einiger Entfernung zum Thermostat zu platzieren. So kann man eingestellte und erzielte Temperatur vergleichen und entweder reduzieren (kommt wahrscheinlich nicht vor) oder erhöhen.
Dieser Prozess kann nicht innerhalb eines Tages erfolgen, da die smarten Thermostate V3+ von tado° selbstlernend sind und auch das Wetter mit einbeziehen, sondern muss über mehrere Tage vorgenommen werden.
Am optimalsten wäre es, wenn man ein Homekit-fähiges Thermometer mit tado° verbinden könnte und tado° dann automatisiert auf die gemessene Temperatur reagiert. Der manuelle Prozess jedoch funkioniert auch, ist jedoch etwas umständlicher.

Nach dem anfänglichen Setup empfiehlt es sich, die Auswertungen auf Zimmerbasis zu überprüfen.
Dadurch kann man genau nachvollziehen, ob die von einem eingestellten Heizabläufe Sinn machen (habe ich Temperatur X zum gewünschten Zeitpunkt erreicht?). Wenn man Abweichungen fest stellt, kann man Korrekturen vornehmen und am nächsten Tag wieder nachschauen.

tado v3+ thermostat

„Early Start“ Feature in der tado° V3+ App. © tado°

In der App selbst gibt es noch ein weiteres Feature, das nicht direkt ersichtlich ist: Wenn man den Zeitplan eines Raumes anklickt, kann man rechts oben über das Zahnrad zu einem wichtigen Menüpunkt gelangen: „Early Start„. Ist diese Einstellung aktiviert, heizt tado° proaktiv voraus, um die eingestellte Temperatur ab Beginn des Zeitblocks zu erreichen.

Weitere sinnvolle Features sind Geofencing, die Auswertung der Heizstatistik (v.a. am Anfang der interessant) und die Fenster-Offen-Erkennung.

 

 

Geofencing: Früher musste man an einem Urlaubstag unter der Woche die Heizung manuell nach oben korrigieren. Mit  den tado° V3+ Thermostaten entfällt das komplett. Das System merkt, dass man zu Hause ist und fällt nicht auf die thereotisch eingestellte „Away“ Temperatur zurück, sondern hält die im Tagesablauf festgelegte Wohlfühltemperatur. Ein Unterschied von 4° Celsius  (21° vs. 17° im „Away“-Modus) im Wohnzimmer machen einen großen Unterschied.

Integration in Apple Homekit:

Die Integration in Apple Homekit ist spielend einfach. Nach der Zuweisung der Räume (sofern davor noch nicht zugewiesen), findet sich in jedem Raum ein Thermostat. Die Steuerung per Siri ist sehr intuitiv, wenn man aber ehrlich ist, nicht wirklich notwendig – ein gut aufgesetztes tado°-Thermostat sollte funktionieren, ohne dass man manuell gegenregeln muss. Eine nette Spielerei ist es aber trotzdem.

Nach all den positiven Punkten noch ein letzter Kritikpunkt:
Das Abomodell. Seit V3+ bekommt man für 2,99 €/Monat oder 24,99 €/Jahr die automatisierten Features (u.a. Fenster-offen-Kontrolle, Geofencing etc.). Bei V3 waren diese Features noch kostenlos.
Schön fände ich, wenn das Abomodell in Zukunft abgeschafft werden würde – die Geräte an sich sind schon teuer, dadurch sollten die laufenden Kosten gedeckt werden.

Das Alles klingt nach sehr viel Arbeit, wenn das System aber einmal richtig aufgesetzt ist, hat man eine sehr entspannte Heizsituation. Im Vergleich zu den programmierbaren Rondostats von Honywell ein Meilenstein.

Update März 2019: 

Nach wie vor bin ich mit dem Setup sehr zufrieden. Bis jetzt hatte ich keinerlei Systemausfälle, musste noch keine Batterien tauschen (die Anfangsversionen der Thermostate waren wohl sehr batteriehungrig) und konnte mich vollstens auf die eingestellten Zeitpläne verlassen. Vor allem, wenn man einen unregelmäßigen Arbeitsalltag hat und zu unterschiedlichen Zeiten nach Hause kommt, macht sich das tado° V3+ Thermostat im Test bezahlt.
Sichtbar wird das auch im nächsten Punkt:

tado° v3+ im Test

tado° Energiesparbericht. © tado°

 

Daten der Energiesparauswertung:

Die Resultate der Energiesparberichts können schon einmal überzeugen – mit 34% im März sind sie sogar höher als von tado° selbst vorgegeben (ca. 30% max.).

In den Vormonaten konnte ich mich stetig von ca. 25% aus weiter vorarbeiten – was auch daran lag, dass die Zeit außer Haus angestiegen ist und die „away“ Einstellung jeden Monat ein bisschen länger aktiv war.
Natürlich sind das alles nur visualisierte Daten, die noch nicht direkt in kausalem Zusammenhang mit einer realen Einergieeinsperung stehen – diese wird sich erst in der Heizkostenabrechnung zeigen.
Da jedoch der Features wie der „away“-Modus oder die Fenster-Offen-Erkennung nicht von der Hand zu weisende geringere Energieverbräuche als im Standardmodus nach sich ziehen, sollte auch eine reale Einsparung möglich sein.

 

Anbei noch die Links direkt zu den beiden Starter Kits auf amazon: